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Opiatabhängigkeit

ANR ist ein medikamentöses Verfahren für die Behandlung der Opiatabhängigkeit. Zur Gruppe der Opiate (in der Fachsprache Opioide genannt) gehören folgende Substanzen:

  • Illegale Opioid-Drogen (z.B. Opium, Heroin, etc..)
  • Legal oder illegal konsumierte Opioid-Substitutionsmedikamente (z.B. Methadon, Buprenorphin, Diaphin, etc..)
  • Opioidhaltige Schmerzmedikamente (z.B. Morphium, Pethidin, Fentanyl, etc..)

Nicht unter die Kategorie der Opiate fallend und somit durch das ANR Verfahren nicht behandelbar sind Substanzen wie z.B. Alkohol, Kokain oder Cannabis.

Opioide und deren Wirkung

Opioide sind opiumhaltige (legale, resp. ärztlich verordnete) Arzneimittel oder (illegal konsumierte) Drogen. Morphin ist das älteste und relevanteste. Zu den Opioiden zählen auch diejenigen Substanzen, welche als Drogen Verwendung finden wie z.B. Opium oder Heroin oder als Substitutionsmedikamente wie z.B. Methadon und Buprenorphin eingesetzt werden.

Wichtig für das Verständnis der Opioidabhängigkeit ist die Tatsache, dass die regelmässige Einnahme von Opioiden Anpassungsvorgänge im Gehirn verursacht. Man nimmt an, dass mit der Zuführung von Opioiden die «Andockstellen» (Opioidrezeptoren) zunehmen oder diese empfindlicher werden. Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht im Gehirn. Dieses bewirkt, dass regelmässig eine gewisse Opioidmenge eingenommen werden muss, damit keine Entzugssymptome auftreten.

Abhängigkeit & Sucht

Diese Vorgänge sind letztlich verantwortlich für das Abhängigkeitssyndrom, d.h. das unstillbare Verlangen nach der Substanz («Craving») wie auch für die Entzugserscheinungen bei Abstinenz. ANR ist nichts anderes als eine medikamentöse Regulation des Ungleichgewichts im Gehirn. Daher treten nach der ANR-Behandlung weder Craving noch Entzugserscheinungen auf.

Psychosoziale Faktoren (z.B. Gruppendruck, schwierige Biographie, etc..) bestimmen das Suchtverhalten, sind auf der körperlichen Ebene nicht fassbar und daher einer Behandlung durch das ANR-Verfahren nicht zugänglich. Die Wechselwirkungen zwischen Abhängigkeit und Sucht sind komplex und können vor der Behandlung nie restlos geklärt werden. Unsere Erfahrung ist jedoch, dass die Abhängigkeit in den allermeisten Fällen überwiegt und mit ANR somit die Freiheit von Opioiden erlangt werden kann.

Opioidabhängige Schmerzpatienten

Extreme Schmerzzustände verlangen nach dem Einsatz potenter Medikamente. Daher ist der Einsatz von Opioiden (wie z.B. Morphium, Fentanyl, etc.) bei Ambulanzteams, auf Notfallstationen und in Operationssälen tägliche Routine und in der Regel unproblematisch. Anders sieht das bei chronischen Schmerzzuständen aus. Dort spielen äusserst komplexe bio-psycho-soziale Muster der Schmerzentstehung und -verarbeitung. Aus diesem Grund bringt die Verabreichung von Opioiden sehr oft nur am Anfang eine gewisse Besserung, sofern die Schmerzursache nicht gezielt angegangen werden kann. Das wiederum führt in der Regel zu einer Dosissteigerung und diese nicht selten zu einer Eskalation der Opioiddosierung. Diese kann so weit gehen, dass ein konventioneller Opioidentzug kaum mehr möglich ist.

Dabei beobachteten wir bei unseren Patienten folgende Phänomene:

  • Anhaltende, d.h. nur leicht gedämpfte Schmerzen trotz Höchstdosen von Opioiden.
  • Ausgeprägte Nebenwirkungen, welche die Lebensqualität massiv beeinträchtigen können.
  • Die sog. opioidinduzierte Hyperalgesie, d.h. eine oft eindrückliche Überempfindlichkeit am Ort des ursprünglichen Schmerzgeschehens, nicht selten verbunden mit einer Ausweitung der Schmerzzonen.

Die Behandlung der Opioidabhängigkeit bei chronischen Schmerzzuständen ist der ANR-Methode zugänglich. Durch eine gezielte, medikamentöse Blockade der Opioidrezeptoren (Andockstellen für Opioide) im Gehirn unter Narkose wir die Abhängigkeit schonend und nachhaltig aufgehoben.

Kein einziger Patient klagte nach der Behandlung über vermehrte Schmerzen, hingegen waren die Nebenwirkungen der Opioide nicht mehr vorhanden.

Im Rahmen des Pilotprojekts «ANR Schweiz» wurden im Verlauf der letzten fünf Jahre neben Heroin und Methadonabhängigen rund 25 opioidabhängige Schmerzpatienten behandelt.

Dabei machten wir folgende Beobachtungen:

  • Der Opioiddosierung werden nach oben kaum Grenzen gesetzt.
  • ANR war erfolgreich bei Patienten, die einen herkömmlichen Entzug nicht durchstanden.
  • Kein einziger Patient / keine einzige Patientin klagte nach der Behandlung über vermehrte Schmerzen, hingegen waren die Nebenwirkungen der Opioide nicht mehr vorhanden.
  • Die opioidinduzierte Hyperalgesie verschwindet, was den Patienten wieder lokale therapeutische Massnahmen wie Massagen, Physiotherapie, MTT, etc. erlaubt.